Auf der spannenden Suche nach den Fledermäusen | Augsburger Allgemeine

Unterwegs mit Paula im Donauwörther Stadtwald

Der Boden knirscht unter den Füßen, in den Bäumen zwitschern die Vögel.

Ansonsten ist es absolut still im Donauwörther Stadtwald. Nur die beiden Stimmen von Gustav Dinger und John Patrick Goetz sind zu hören: Paula Print hat sich mit den beiden Experten und einer Gruppe auf eine spannende Suche nach Fledermäusen gemacht. Die Zeitungsente will die geschützten Tiere hautnah erleben.

Die Chancen dafür stehen gut: 13 verschiedene Arten leben in dem Flora-Fauna-Habitat. Sie haben lustige Namen wie Großer und Kleiner Abendsegler, Bechsteinfledermaus, Mückenfledermaus, Braunes Langohr oder Rauhautfledermaus. Der Stadtwald ist für sie ein optimaler Lebensraum: „Der Laubanteil ist hoch, es gibt viele natürliche Baumhöhlen und es sind knapp 300 Kästen für die Vögel und Fledermäuse aufgehängt“, erklärt Dinger.

 

Zu einem dieser Kästen klettert Goetz auf seiner Leiter hoch. Vorsichtig klopft er mit der Taschenlampe gegen das Holz. Eine reine Vorsichtsmaßnahme, den statt Fledermäusen könnten darin auch gefährliche Hornissen sein. Fehlanzeige: Der Kasten ist leer, nur Tierkot zeigt, dass hier ein Waldbewohner war. Im Wald gibt es viel zu entdecken.

Doch selbst damit können die Experten etwas anfangen: Die Größe zeigt ihnen, um welche Art von Fledermaus es sich handelt. Einmal im Jahr überprüfen sie die Kästen, säubern sie und bekommen so einen Überblick, welche Tiere im Wald leben.

Und das sind allerhand. Eine Fledermaus hat Paula zwar noch nicht entdeckt dafür aber eine Libelle, Spinnen und kleine Frösche.

Auf dem Waldboden huscht eine kleine Maus vorbei, in den Gräsern summt eine Wespe.

Und dann ist es endlich so weit.

„Hier drin ist eine“, ruft Goetz von seiner Leiter. Tatsächlich: In einem der Kästen hat er eine Bechsteinfledermaus gefunden. Lustig sieht das aus, wie sie mit dem Kopf nach unten hängt, findet Paula.

„Das kostet überhaupt keine Kraft, sie hängt sich einfach mit ihren Krallen ein“, erklärt Dinger.

Behutsam nimmt er das kleine Tier in die Hände und spannt die Flügel auseinander. Paula darf den Flieger sogar streicheln – und staunt: wie dünn die Flügel sind, fast durchsichtig.

Das weiche Fell der Tiere kitzelt

Auch Benedikt Strobel ist begeistert: „Die Fledermaus in der Hand hat gekitzelt. Und das Fell ist ganz weich“, schwärmt er. Obwohl der Achtjährige die Spukgeschichten mit blutsaugenden Fledermäusen kennt – Angst haben er und Paula vor diesen süßen Tieren nicht. „Diese Märchen stimmen auch gar nicht. Fledermäuse sind ganz liebe Tiere, die in der Nacht wach sind“, sagt Goetz.

Manche Fledermäuse leben nicht nur im Wald, sie wohnen auch auf Dachböden oder hinter Fensterläden bei den Menschen.
Oft ziehen die Weibchen dort ihren Nachwuchs auf, der blind und nackt geboren wird. Bis er fliegen kann, dauert es vier bis sechs Wochen.

Doch nicht nur die Lebensweise der Fledermäuse ist faszinierend: Sie sind die einzigen Säugetiere, die fliegen können. Dazu kommt: „Die Tiere gibt es seit 50 Millionen Jahren, viel länger als uns Menschen“, sagt Dinger. Er lässt die Fledermaus wieder los, denn sie hat noch einiges vor: Sie will Insekten jagen. Im Herbst brauchen die Tiere übrigens besonders viele, weil sie sich auf den Winterschlaf vorbereiten. Dann suchen sie sich ein frostsicheres kühles Quartier für den Winterschlaf.

Und unsere Zeitungsente muss bis zum Frühjahr warten, bis sie ihre neuen Freunde im Wald wieder besuchen kann.

 

Quelle

Bericht der Augsburger Allgemeinen vom 11.09.2010