Eine Fledermaus gestreichelt … | VHS Donauwörth

Eines kann man sicherlich feststellen: Fledermäuse sind sympathische Tiere. Dennoch sind sie mittlerweile in ihrem Bestand gefährdet, weshalb sie ausnahmslos gesetzlich geschützt sind.

Weltweit gibt es über 1000 Fledermausarten; in Bayern konnten bisher 24 Arten nachgewiesen werden. Experte Gustav Dinger: „Im Donauwörther Stadtwalt haben wir 13 Arten registrieren können; nirgendwo sonst im Freistaat haben wir so viele verschiedene Arten bisher feststellen können.“ Fledermäuse sind übrigens auch die einzigen Säugetiere, die aktiv fliegen können.

Der Fledermausexperte hat bei dem rund zweistündigen Rundweg, der am Waldrand an der Straße vom Stillberghof (Zirgesheim) zum Segelflugplatz beginnt, eine Leiter dabei. Der Grund: „Wir wollen ja in die Fledermauskästen, die an Baumstämmen angebracht sind, reinschauen.“ Die Kästen gibt es in runder oder flacher Form: „Jede Art hat da eine besondere Vorliebe.“ Meist sind sie aus Holzbeton gefertigt. „Mit reinen Holzkästen haben wir schlechte Erfahrungen gemacht. Fledermäuse sind da anspruchsvoller als Vögel. Außerdem ist ihre Dichtung und die Haltbarkeit erheblich länger.

 

Gustav Dinger lehnt die Leiter an einen Baum, steigt zum Kasten hoch. Unüberhörbar laut klopft er daran: „Es könnten sich auch Hörnissen oder Wespen eingenistet haben – und eine Begegnung mit denen wäre nicht so erfreulich.“ Nichts rührt sich, denn der Fledermauskasten ist leer, bis auf eine  Hornissenwabe. Die möchte die siebenjährige Vanessa haben: „Die nehme ich in die Schule mit …“ Ein neuer Versuch steht einige Meter weiter an. Als Dinger vorsichtig den Kasten öffnet, huscht an ihm ein kleines Tier vorbei und klettert den Baumstamm hoch. „Ein Siebenschläfer“, informiert er. „Und es sind noch weitere im Kasten.“ Versteht sich, dass jeder der Teilnehmer/innen die Leiter hochsteigt und mittels einer kleinen Lampe die Tiere in Augenschein nimmt.

Der Siebenschläfer (Glis glis) ist ein äußerlich mausähnliches, nachtaktives Nagetier aus der Familie der Bilche (Gliridae). seine Gestalt erinnert an Eichhörnchen. Aber er  ist erheblich kleiner, hat große, schwarze Augen, rundliche Ohren. Die Kopf-Rumpflänge dieser „Schlafmaus“ beträgt 13 bis 18 Zentimeter, dazu kommt der 11 bis 15 Zentimeter lange buschige Schwanz.

Angeblich erhielt er seinen Namen wegen seines sieben Monate dauernden Winterschlafes, jedoch dauert diese Ruhephase meist deutlich länger. Im Volksglauben werden die Siebenschläfer mit den „Sieben Schläfern“  in Verbindung gebracht; das sind sieben Heilige, welche während der Herrschaft der Römer eingemauert wurden. Nach fast 200 Jahren des Schlafes erwachten sie dann wieder – so sagt zumindest die Legende.

Im Herbst wird der Winterspeck angefressen. Zur Nahrung gehören Bucheckern, Eicheln oder etwa Haselnüsse und Samen, die viel Öl und Fett enthalten. Bei den Römern der Antike galt der Siebenschläfer als Delikatesse, insbesondere wenn der kurz vor dem Winterschlaf besonders fett war. Einen solchen „Koloss“ entdeckte die VHS-Gruppe als Einzeltier in einem anderen Kasten.  Gustav Dinger: „Ich schätze, der wiegt sicherlich schon weit über 100 Gramm…“

Die nächsten Kästen, sie alle sind meist in Südost ausgerichtet, sind wieder leer, sieht man von verlassenen Meisennestern sowie Fledermaus- und Siebenschläferkot ab. Aber endlich ist es soweit. Gustav Dinger wird fündig: Es sind Abendsegler. Insgesamt zwölf dieser Art stecken in dem Kasten. Ein Tier nimmt er heraus. Es schläft, die Lebensfunktionen sind stark herabgesetzt. Es wird erst gegen Abend wieder munter, meist kurz nach Sonnenuntergang geht es dann auf Insektenjagd. „Ein super Gefühl“, lautet die einhellige Meinung, denn jeder darf das rotbraune Fell des Abendseglers  berühren beziehungsweise darüber streichen.

Derweilen weiß Gustav Dinger jede Menge Wissenswertes zu berichten. Etwa, dass die trächtigen Weibchen in den Sommermonaten sogenannte Wochenstuben bilden, in denen die Jungen aufgezogen werden. Um die verschiedenen Arten identifizieren zu können, werden ihre Ultraschalllaute mit Hilfe eines „Bat Detectors“ (= Fledermaus-Detektor) in für Menschen hörbare Frequenzen umgewandelt. Die arttypische Schallbreite helfe dann bei ihrer Bestimmung.

Er erzählt, dass ein besonderer Sehnenmechanismus es den Fledermäusen in den Ruhephasen ermöglicht, sich „ohne Kraftaufwendung allein durch den Zug des eigenen Körpergewichts mit den Krallen festzuhalten – mit dem Kopf nach unten.“ Um ein Winterquartier zu finden, würden manche Arten sogar große Wanderungen unternehmen. Denn der Winterschlaf funktioniere nur bei Außentemperaturen knapp über dem Gefrierpunkt. Und es muss eine Umgebung mit hoher Luftfeuchtigkeit sein, damit der Körper der Tiere nicht zu viel Flüssigkeit verliert.

In weitere „momentan noch“ bewohnte Fledermaus-Quartiere  wird neugierig und voller Interesse geschaut. Doch die Zeit eilt wie im Fluge dahin. Gustav Dinger hat deshalb zusätzlich Informationsmaterial vom Bayerischen Landesamt für Umwelt mitgebracht und verteilt es. VHS-Vorsitzender Paul Soldner dankte schließlich dem Fledermaus-Experten namens der Gruppe für „ein ganz tolles Erlebnis“.

Quelle

http://www.vhs-don.de/hot-spots-berichte-presse/fledermaus-und-siebenschlaefer?JOB_NAME=DisplayPage