Zusammenfassung der wissenschaftlichen Untersuchungen

Wissenschaftler in Deutschland und den U.S.A. haben Untersuchungen durchgeführt.

 

Untersuchung in den U.S.A.

Für ihr Experiment statteten sie eine kleine Windanlage im Nordwesten des US-Bundesstaats Indiana mit automatischen Nahinfrarot-Kameras, Ultraschall-Mikrophonen, Radarmessgeräten und thermischen Überwachungskameras aus. 163 Nächte lang beobachteten sie mit diesen Instrumenten, wie sich Fledermäuse in der Nähe der Windräder verhielten. Um den Einfluss der Rotoren zu prüfen, ließen die Forscher diese in einigen Nächten trotz Wind komplett anhalten, in anderen aber normal rotieren.

 

 

Bei wenig Wind verwechseln Fledermäuse Windkraftanlagen mit Bäumen

Fatale Anziehung: Weht nur wenig Wind, werden Windanlagen für baumbewohnende Fledermäuse zur tödlichen Falle. Denn die Tiere verwechseln die Windräder dann mit hohen Bäumen und fliegen sogar in 88 Prozent der Fälle absichtlich darauf zu. Beide haben einen hohen, zylindrischen Stamm, erweitern sich oben zu einer Art Krone und besitzen seitlich herausragende Fortsätze. Die Fledermäuse flatterten teilweise längere Zeit in der Nähe des Turms und der Gondel herum, einige führten Bögen und Sturzflüge in Richtung der Turbinen aus.

Meist näherten sich die Tiere den Windrädern dabei auf der windabgewandten Seite. Vögel und andere Wirbeltiere schienen die Anlagen dagegen eher zu meiden. Das zeigt ein Freiland-Experiment von US-Forschern. Diese Reaktion der Fledermäuse könnte erklären, warum so viele Fledermäuse an Windanlagen sterben – aber auch helfen, dies in Zukunft zu verhindern.
„Fledermäuse bleiben oft Minuten bis sogar Stunden in der Nähe stehender Windräder – frischt dann der Wind plötzlich auf, geraten sie in Gefahr, von den sich nun drehenden Rotoren getroffen zu werden“, erklären die Wissenschaftler. Helfen könnte es auch, das Aussehen der Windanlagen zu verändern. So zeigte eine Untersuchung in Texas, dass unter Windrädern mit blinkenden roten Warnleuchten weniger tote Fledermäuse gefunden wurden als unter nicht beleuchteten.

(Proceedings of the National Academy of Sciences, 2014; doi: 10.1073/pnas.1406672111)

 

 

Hochrechnung: 250.000 Fledermäuse pro Jahr in Deutschland von Windrädern getötet

Die Zahl der Fledermäuse, die jedes Jahr in Deutschland an Windrädern umkommen, könnte größer sein als bislang angenommen. Bei Hochrechnungen zur Zahl der getöteten Tiere gebe es systematische Fehler, berichtet ein Team um Christian Voigt vom Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung (IZW) in Berlin.
Der neuen Studie zufolge könnten in Deutschland pro Jahr mehr als 250.000 Fledermäuse an Windrädern getötet werden, wenn diese ohne Auflagen betrieben würden, schätzen die Forscher. Ihre Studie ist im „European Journal of Wildlife Research“ veröffentlicht. Bisherige Schätzungen, wie viele Fledermäuse im Jahr umkommen, gehen stark auseinander – Zahlen von unter 100.000 bis zu über 400.000 werden genannt.

 

¾ der sterbenden Fledermäuse sind baumbewohnende Arten

Jedes Jahr sterben tausende von Fledermäusen in Europa und den USA durch Kollisionen mit den rotierenden Flügeln von Windanlagen. Untersuchungen zeigen, dass rund drei Viertel der toten Tiere zu baumbewohnenden Fledermausarten gehören. Für diese Arten, darunter den Großen Abendsegler (Nyctalus noctula), sind große, hohe Bäume ein wichtiger Lebensraum, aber auch eine Quelle von Nahrung und ein Ort, um Artgenossen zu treffen, beispielsweise zur Paarung. Sie neigen daher dazu, solche Bäume gezielt anzufliegen.

 

Zwei Drittel stammen aus ausländischen Populationen

Rund zwei Drittel der in Deutschland getöteten Fledermäuse stammen demnach aus ausländischen Populationen. Die Tiere durchqueren das Land zweimal pro Jahr, da sie sich im Winter im Südwesten Europas aufhalten, im Sommer jedoch in kühlere Gefilde im Nordosten fliegen. Die zunehmende Zahl an Windkraftanlagen in Deutschland könnte die Flugrouten stören.

 

Bei schwachem Wind vom Netz?

Zu den betroffenen Tieren zählt etwa der Große Abendsegler (Nyctalus noctula) und die Rauhautfledermaus (Pipistrellus nathusii). Beide seien auch bei etwas höheren Windstärken noch aktiv, heißt es in der Studie. Bisher hatten Naturschützer und Forscher empfohlen, Windräder bei schwachem Wind vom Netz zu nehmen – nur dann flögen die Tiere auf Höhe der Rotorblätter.

 

Betriebszeiten an Fledermausflug anpassen

Vermutlich erfülle nur ein Bruchteil der aktuell rund 24.000 Windkraftanlagen in Deutschland die Auflagen zum Schutz der fliegenden Säugetiere, teilte der IZW-Forscher mit. Dazu gehört unter anderem, dass die Betriebszeiten der Windräder an den Fledermausflug angepasst werden.
Wie viele der Windkraftanlagen bereits Auflagen zum Schutz der Fledermäuse befolgen, konnten die Leibniz-Forscher nicht ermitteln. Diese Zahl sei leider nicht bekannt. Es besteht keine Pflicht der Betreiber, dies zu melden. Bekannt sei aber, dass vor allem ältere Anlagen keine Rücksicht auf die Flugzeiten der Fledermäuse nehmen, sagt Voigt.
Betreiber, die die Tiere schützen, lassen das Flugverhalten der Tiere rund um die Anlage ermitteln. Fledermäuse fliegen stets nur bei bestimmten Windgeschwindigkeiten und Temperaturen. In diesen Zeiten, vor allem im Herbst, werden die Windräder ausgeschaltet.

 

Fledermäuse erleiden ein Barotrauma

Wegen großer Luftdruckänderungen an den Rotorblättern erleiden Fledermäuse in der Nähe eines Windrads ein sogenanntes Barotrauma, bei dem innere Organe zerreißen. Bisher hätten Forscher in ihren Analysen nur die Tiere berücksichtigt, die unmittelbar an Windrädern tot gefunden wurden, erklärt Voigt. Bei einem leichten Barotrauma können Fledermäuse aber noch Minuten oder sogar Stunden weiterfliegen, bevor sie verenden.
Da moderne Windräder größere Rotorblätter hätten, erwarten Wissenschaftler das Barotrauma als Todesart in Zukunft häufiger. Denn die Tiere seien stärkeren Kräften ausgesetzt. So könnte sich nach Einschätzung Voigts auch die Zahl der unentdeckten Todesfälle erhöhen.

 

Abschließende Klärung der Ursache noch nicht erfolgt

Abschließend geklärt sind die Ursachen für die „Todesfalle Windrad“ noch nicht. Diskutiert werde auch, ob die Tiere von den Windrädern angezogen werden, schreiben die Forscher in ihrer Überblicksstudie.

 

Zusammenfassung der Lösungsansätze

  • Windkraftanlagen bei niedrigen Windgeschwindigkeiten nachts und zu Dämmerungszeiten abschalten
  • insbesonders Berücksichtigung der Zeitpunkte von Fledermauswanderungen und Vogelzug
  • bei Standortprüfungen für Neubauten die Routen der wandernden Fledermäuse und Vögel einbeziehen
  • Wichtig sei dabei aber auch, diese Ruheperioden mit genügend Toleranz auszustatten, damit die Rotoren nicht bei jeder kleinen Windböe wieder anlaufen
  • Versehen aller Windräder mit blinkenden roten Warnleuchten

 

Fazit

Es gibt Lösungsansätze die Anzahl der Fledermäuse, die durch Windkraftanlagen zu Schaden kommen, reduzieren. Abschließend geklärt sind die Ursachen für die „Fledermaus-Todesfalle Windkraftanlage“ noch nicht.

 

Quellen

Zusammenstellung

Stefan Rösch stefan@fledermausschutz-donau-ries.de