Systematik und Verbreitung

Das älteste Fledermausfossil wird auf 50 Millionen Jahre datiert. Daher wird die Entwicklung der Fledertiere im Eozän (begann vor etwa 56 Millionen Jahren und endete vor etwa 33,9 Millionen Jahren) gesehen.

Forscher gehen davon aus, dass Fledermäuse und Flughunde von einem gemeinsamen Vorfahren abstammen.

Fledermäuse sind nahezu weltweit verbreitet mit Ausnahme der Antarktis, polaren Regionen und entlegenen Inseln vor. Die Fledermausgattung der Mausohren (Myotis) ist die ohne menschlichen Einfluss am weitesten verbreitete Säugergattung.

Weltweit gibt es ca. 900 Arten, in Europa sind 53 Arten nachgewiesen, davon ca. 33 in Mitteleuropa.

 

Merkmale

Fledermäuse sind im Durchschnitt etwas kleiner als Flughunde.

Größte Fledermausart

Australische Gespenstfledermaus (Macroderma gigas);
  • Kopfrumpflänge: 14 cm
  • Gewicht: 200 g
  • Spannweite: 60 cm

Kleinste Fledermausart

Schweinsnasenfledermaus oder Hummelfledermaus (Craseonycteris thonglongyai)
  • Kopfrumpflänge: 3cm
  • Gewicht: 2 g
Fledermäuse besitzen ein dichtes, oft seidiges Fell, das meistens grau bis braun oder schwärzlich gefärbt ist und keinen Haarstrich aufweist. Es gibt aber auch weiße und gemusterte Arten, bei fast allen Arten ist zudem die Bauchseite heller als der Rücken. Anders als andere Säugetiere besitzen sie kein Wollhaar, die Fellhaare sind arttypisch aufgebaut und besitzen kleine Schüppchen, sie können zur Bestimmung der Arten dienen.

Sinne: Hören, Sehen, Magnetsinn

Die Köpfe der verschiedenen Fledermausarten unterscheiden sich beträchtlich. Während manche an Gesichter anderer Tiere erinnern – zum Beispiel an Mäuse, darum auch der Name dieser Gruppe –, haben andere besondere Strukturen entwickelt.
Viele Arten haben Nasenblätter oder andere Gesichtsstrukturen, die zum Aussenden oder Verstärken der Ultraschalllaute dienen.

Hören

Die Ohren, die bei manchen Arten drastisch vergrößert sind, sind oft mit Rillen oder Furchen versehen, darüber hinaus haben sie einen Tragus, ein Ohrdeckel, der der Verbesserung der Echoortung dient.

Sehen

Fledermäuse können schwarz-weiß sehen, einige Arten auch UV-Licht sehen, das von einigen Blüten verstärkt reflektiert wird, die sie dann zur Nektaraufnahme anfliegen

Magnetsinn

Zusätzlich verfügen Fledermäuse über einen Magnetsinn. Bei Langstreckenflügen orientieren sie sich an den Linien des Erdmagnetfeldes, ähnlich wie Zugvögel und viele andere Tierarten.

Ernährung

Die heimischenFledermausarten ernähren sich von Insekten, die sie teilweise im Flug erbeuten.Größere Arten fressen auch kleinere Säugetiere, in den Tropen und Subtropen gibt es aber auch viele vegetarisch lebende Arten, die Früchte fressen oder Nektar trinken. Die drei Arten der Vampirfledermäuse (Desmodontinae), die im südlichen USA und Südamerika beheimatet sind, ernähren sich vom Blut anderer Tiere.

Fortpflanzung

Die meisten Fledermausarten bringen nur einmal im Jahr ein einzelnes Jungtier zur Welt. Manche Arten unter günstigen Umständen ein Alter von 20 bis 30 Jahren erreichen. In Europa findet die Paarung häufig in den Winterquartieren statt. Die Tragzeit kann dadurch zwischen 40 und 70 Tagen variieren.

Verhalten und Quartiere

Fledermäuse sind in der Regel nachtaktive Tiere.

Zum Schlafen ziehen sie sich in Höhlen, Felsspalten, Baumhöhlen oder menschengemachte Unterschlupfe (Dachböden, Ruinen, Minen und andere) zurück.

Alle europäischen Fledermäuse benötigen Quartiere, die ihnen Schutz vor schlechter Witterung und vor Feinden bieten. Es lassen sich Sommer- von Winterquartieren unterscheiden.

Winterquartiere

Im Spätsommer, suchen die meisten europäischen Fledermausarten nach geeigneten Winterquartieren, die ihnen für die kalten Monate ausreichend Schutz bieten.
In Europa sind Fledermäuse Winterschläfer und entsprechend während des Winters abhängig von Unterschlupfmöglichkeiten, wie Höhlensysteme, aber auch Stollen und Festungsanlagen werden angenommen.Für den Winterschlaf legen die Fledermäuse spezielle Fettvorräte an, deren alleiniger Zweck es ist, während des Aufwachens die notwendige Energie zu liefern, mit der wieder die normale Körpertemperatur erreicht werden kann. Während des Winterschlafes sinkt die Körpertemperatur bis auf wenige Zehntel Grad über der Umgebungstemperatur, aber nicht tiefer als die Temperatur, bei der das Blut nicht mehr in der Lage ist, Sauerstoff zu transportieren.

Sommerquartiere

Die Männchen suchen meist Tagesquartiere, die als Ausgangspunkt für die Jagd dienen, auf.

Die Weibchen finden sich zu Wochenstuben zusammen, in denen die Jungtiere geboren und gemeinsam aufgezogen werden. Diese Wochenstuben umfassen meistens 20 bis 50 Muttertiere, die sich alljährlich wieder zusammenfinden. Dabei lassen sie die Jungtiere im Quartier zurück, wo sie gemeinsam mit anderen verlassenen Jungtieren regelrechte Fledermaustrauben bilden. Ab Ende August werden die Jungen dann von ihren Müttern verlassen und finden sich selbständig in den Winterquartieren ein.

Sozialverhalten

Fledermäuse sind hochsoziale Tiere, die die meiste Zeit des Jahres in Gruppen zusammenleben. In ihren Quartieren suchen sie meist engen Körperkontakt mit anderen Tieren, wodurch sich Fledermauspulke bilden (Schlafverband). Dies hat den Vorteil, dass die einzelnen Tiere wenig Energie für die Körperaufwärmung aufwenden müssen und verbrauchen. Sowohl in den Wochenstuben als auch in den Winterquartieren kommt es zudem zu einer Durchmischung verschiedener Arten. Eine Rangordnung innerhalb von Fledermauskolonien wurde bislang nicht beschrieben.

Natürliche Feinde

Natürliche Feinde der Fledermäuse sind vor allem tag- und nachtaktive Raubtiere, vor allem Katzen sowie Greifvögel und Eulen.

Bedrohung und Schutz

Zu den weltweiten Hauptbedrohungen der Fledermäuse zählen der Verlust des Lebensraumes sowie in geringerem Ausmaß die Bejagung durch den Menschen. Insbesondere die auf kleinen Inseln endemischen Arten sind dabei gefährdet. Die IUCN listet vier Arten als ausgestorben, rund 20 gelten als stark bedroht, zahlreiche weitere als bedroht oder gefährdet.
17 der deutschen Arten werden in den Gefährdungskategorien der Roten Liste Deutschlands geführt.
Ihre Gefährdung geht vor allem durch Zerstörung ihrer Lebensräume aus, etwa durch die Sanierung von Altbauten und die Versiegelung von potentiellen Schlafplätzen, durch die Vernichtung von Insekten-Lebensräumen, durch die Zerstörung von Totholzbeständen und die Vergiftung mit Insektenschutzmitteln und Holzschutzfarben.

Falsche Standorte von Windkraftanlagen

Auch an Windkraftanlagen verunglücken Fledermäuse aus ungeklärten Gründen, wie seit einigen Jahren bekannt ist.  In Deutschland sind bislang 13 Fledermausarten (Stand November 2005) mit mehreren hundert Individuen an den Anlagen verunglückt; die Dunkelziffer dürfte groß sein, da nur eine verschwindend kleine Anzahl der Anlagen kontrolliert wird.
Offenbar gibt es verschiedene Gründe für Unfälle, die sich teilweise überlagern und verstärken:
  • während der Zugzeit im August und September häufen sich die Kollisionen,
  • betroffen sind vor allem Arten, die im freien Luftraum jagen und/oder über große Strecken ziehen, wie der Große Abendsegler, die Breitflügelfledermaus, der Kleine Abendsegler, die Zweifarbfledermaus,
  • einige Standorte, zum Beispiel im Wald oder in dessen Nähe, sind besonders schlagträchtig,
  • bestimmte Witterungsbedingungen – Temperatur, Windgeschwindigkeit – begünstigen den Fledermausschlag.

Die Problematik der Schlagopfer an Windkraftanlagen zeigt, dass noch erheblicher Forschungsbedarf besteht. Einige bisher als sicher geltende Erkenntnisse werden in Frage gestellt. So fanden sich Arten, bei welchen man Flughöhen bis max. 20 m annahm, als Opfer unter Windkraftanlagen. Die seit über 50 Jahren nördlich der Alpen nicht mehr nachgewiesene Alpenfledermaus fand man als Schlagopfer an einem Windrad in Brandenburg.

Weitere Informationen: Fledermäuse und Windräder

arte – Dokumenation „Fledermäuse – warte bis es dunkel wird“

Teil 1: http://youtu.be/DGoLYbZDCZw
Teil 2: http://youtu.be/uJTHFWG-EiY
Teil 3: http://youtu.be/5JZKjTf6gZ8

 

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Quellen

Bilder und Videos: arte bzw. You tube, National Geographic, Naturfotografen-Forum und Wikipedia
Text: Angepasst nach Unep/Eurobats und Wikipedia